Vor gut einem Monat sind die Cologne Falcons in die GFL II gestartet. Nach vier Spielen und 3 : 5 Punkten haben aber einige Ereignisse einen Wirbel hinterlassen, der nicht nur für Unruhe sorgten, sondern auch Spekulationen aller Art auf Trapez brachten. Schlagzeilen wie „Falcons im freien Fall“ und „Falcons mit letztem Aufgebot“ haben dazu beigetragen, dass viele besorgte Fans sich beim Verein meldeten. Das hat uns nunmehr veranlasst, dazu Stellung zu nehmen und klar zu stellen, dass es dem Verein gut geht. Aus diesem Grund haben wir Alexander Verbeeck, den ersten Vorsitzenden der Cologne Falcons, zum Interview gebeten.
Herr Verbeeck, am Anfang der Saison waren die Ambitionen hoch. 40 Spieler, viel Motivation und ein klar vorgegebenes Ziel von Vorstand und Coaches hatten ein Ergebnis vor Augen, den Kampf um die Meisterschaft. Schon vier Spiele später ein Sieg, ein Unentschieden und zwei Spiele wurden hoch verloren. Was war passiert?
Die vergangene Saison war von uns aus als ja eher als Standortbestimmung und Aufbaujahr geplant. Dass wir dann mit dieser jungen Mannschaft bis zum Schluss um die Meisterschaft und den Aufstieg mitgespielt haben, war natürlich erfreulich. Allerdings war das auch ein Ergebnis von mehreren Faktoren. So sind wir im letzten Jahr mit wenigen Ausnahmen von Verletzungen verschont geblieben, und die Entwicklung von den jungen Spielern hat extrem gut funktioniert. In diesem Jahr haben wir offensichtlich weniger Glück, so dass die Ausgangslage eine andere ist. Das Lazarett ist jetzt schon voller als in der gesamten vergangenen Saison, und dazu haben wir mit Düsseldorf, Lübeck und Mönchengladbach Teams, die ihre Kader massiv verstärkt haben. Da muss man realistisch sein und die Lage neu bewerten. Wir sind ja fast schon traditionell mit kleinem Kader ausgestattet, und da fallen Verletzungen von Stammspielern natürlich doppelt ins Gewicht.
Wenn die Personaldecke so dünn ist. Warum verstärkt sich die Erste denn nicht aus dem großen „Unterbau“ des Vereins? Eine Zweite mit 50 Spielern und selbst die Juniors haben große Talente in ihren Reihen.
Die Frage wird ja nicht nur von außen gestellt, sondern auch bei uns intern diskutiert. Die Größe der Organisation verlockt natürlich zu solchen Denkspielen. Würden wir jetzt in blinden Aktionismus verfallen, würden wir die kurzerhand die zweite Mannschaft auflösen und alle Spieler hochziehen. Zusätzlich entziehen wir den Jugendteams alle Seniors plus alle 18-Jährigen aus dem 92er Jahrgang und generieren so innerhalb einer Woche ca. 90 Spieler, und haben dann ab nächsten Montag einen Kader in der ersten Mannschaft von 120 Spielern.
Das ist ungefähr so intelligent wie „Dynamit fischen“. Sieht kurzfristig toll aus, zerstört aber in Wahrheit mehr als es bringt. Wir haben einen großartigen Kader in der zweiten Mannschaft, beide A-Jugendmannschaften sind auf Kurs und die Teams sollen die Erfolge ihrer guten Entwicklung einfahren. Das sind wir den Spielern und Trainern der Mannschaften schuldig.
Natürlich werden wir aber die Größe der Organisation ausnutzen um der ersten Mannschaft in dieser engen Situation zu helfen. Das wird aber selektiv und mit großem Augenmaß erfolgen. Bisher war es so, dass wir, bis auf wenige Ausnahmen, alle Jugendspieler im ersten Jahr in der zweiten Mannschaft eingesetzt haben. Hier kann ich mir vorstellen, dass wir hier das eine oder andere Talent mehr in diesem Sommer in die erste Mannschaft holen. Auch haben wir in der Vergangenheit immer die Gelegenheit genutzt, Spieler aus der zweiten Mannschaft für einzelne Spiele in der ersten Mannschaft einzusetzen. Hier wurde bisher immer die spielfreie Zeit der Oberliga im Sommer gewählt, da bietet in diesem Jahr aber der Spielplan mehr Möglichkeiten. Das werden wir also auch nutzen.
Bricht der Verein mit der Vorgabe, nur einheimische Spieler einsetzen zu wollen?
Auf den Positionen, auf denen gewöhnlich amerikanische Spieler zum Einsatz kommen, waren wir mit deutschen Spielern sehr gut besetzt. Bis auf die Position der Running Backs ist das auch immer noch so. Mit Fabio Schorn haben wir ein großes Talent auf der Position, aber die Last des Laufangriffs allein auf die Schultern eines jungen Spielers im Aufbaujahr zu legen halte ich für grenzwertig. Im vergangenen Jahr hatte selbst Andreas Fetter einige Aufbauspiele, bevor er die großen Spielanteile bekommen hat. Hier bin ich auf einer Linie mit den Trainern, dass wir die Gesundheit von Spielern nicht aus engstirniger Prinzipientreue riskieren werden. Demzufolge ist auch der kurzfristige Einsatz eines US-Running Backs zumindest kein Tabu-Thema in der Diskussion.
Apropos Andreas Fetter, hier gibt es Spekulationen in alle möglichen Richtungen. In den beiden ersten Spielen erlief er nicht die gewohnt hohe Anzahl an Yards. Und dann der Rücktritt vor dem so wichtigen Düsseldorf-Spiel? Hat er sein Team im Stich gelassen?
Andreas Fetter hat Großartiges für den Verein geleistet und ist somit über jede Kritik an seiner Entscheidung erhaben. Es hat niemand das Recht seine Gründe, die in seinem persönlichen Umfeld liegen, in Frage zu stellen. Lediglich der Zeitpunkt der Entscheidung hat bei Mannschaft und Trainern Fragen offen gelassen. Immerhin gibt es ja einige Jungs, die mit ihrer Arbeit und ihren Knochen auch einen großen Anteil an dem persönlichen Erfolg von Andreas hatten. Und bei einem so ausgeprägten Teamsport muss man sich dann in der Situation auch solche Fragen gefallen lassen.
Der gut informierte Beobachter und Fan konnte auch sehen, dass bei den Spielen einige Coaches fehlten. So wird David Odenthal z.B. doch als Trainer und Spieler schmerzlich vermisst. Wie steht es um ihn?
David Odenthal ist seit einiger Zeit gesundheitlich angeschlagen, so dass in diesem Jahr eine Dreifachbelastung als Coach der ersten Mannschaft plus Spieler sowie Head Coach der Jugend nicht zu leisten ist. Im Fokus steht daher zunächst seine Funktion als Junioren Head Coach, alles weitere werden wir nach Abschluss der Junioren-Saison besprechen.
Gibt es eine Neuausrichtung der ersten Mannschaft? Werden weitere Coaches und/oder Spieler geholt? Können die Falcons dies überhaupt? Wie sieht also die Planung für die restlichen zehn Spiele aus?
Die Neuausrichtung gibt es bestenfalls aus der realistischen Betrachtung der Situation. Ein solider Platz im Mittelfeld ist Angesichts der Lage sehr wahrscheinlich und auch vollkommen in Ordnung. Die Mannschaft ist vielleicht nicht „groß an Menge“, aber verdammt „groß im Kämpfen“. Da wird auch noch die eine oder andere Überraschung drin sein. Wir werden einen kühlen Kopf bewahren, das Team und die Trainer in Ruhe weiter arbeiten lassen, und den Weg weiter gehen. Schlagzeilen hin oder her, bei den Falcons ist die Situation vielleicht hart, aber komplett unter Kontrolle.























